Dienstag, 2. August 2011

1996 - VII

Und es begab sich zu der Zeit, als alles dunkel war. Die Schwärze war so erdrückend, dass es Angst bekam und sich bewegte. Wie durch einen Tunnel.. Das Gefühl der Panik erhöhte die Geschwindigkeit zu einer unerreichbaren Helligkeit und dem Licht. Auf dem Höhepunkt beginnt das Sterben. Das Licht manifestiert sich und treibt wirbelnd und Schwerpunkte bildend im Raum herum. Die sterbende Kraft offenbart ihre immer neue Zusammensetzung. Sie sucht sich neue Quellen. Verwirblungen der Energie schaffen illusionäre Effekte. Materie entsteht im ständigen Wechsel. Sie existiert, sie lebt am Ende. Das Leben ist sehr unstet und es scheint ein neuer Ausdruck des Urwesens, eine unendliche Kettenreaktion.
Wir suchen nach Gewissheit, doch eines ist gewiss: gäbe es kein warum, so wären wir nicht. Warum ist der Baustein des Lebens. Erkenntnis ist das Ende und neuer Anfang. Jedes Wesen ein neues Universum. Die Lösung in uns selbst und völlig ohne Belang. O du Fröhliche..

Montag, 1. August 2011

Sonntag, 31. Juli 2011

1996 - V

Hier angekommen, teilte mir Herr Kutzer mit, dass es ihm gelungen sei, mir eine Email zu schicken. Mein Versuch, hier per Email einzubuchen, hat schon einiges Echo gefunden. Für Japaner oder Amerikaner ist es anscheinend normal, Anfragen per Email zu schicken. Die Österreicher haben ein beachtliches Niveau in der Hotellerie und beim Einsatz moderner Technik erreicht, handwerklich sind sie sowieso gut.

Samstag, 30. Juli 2011

1996 - IV

Der alte Mann sprach,
es war wohl das letzte Mal,
das ich hier war.
Gemach, Gemach,
hast noch Zeit,
es ist noch nicht soweit,
meint da der Sensenmann.
Er lächelt und der Alte
geht zitternd davon. –

Freitag, 29. Juli 2011

1996 - III

Wir sind die Augen des Es,
durch uns sieht es
die Manipulationen der Materie,
die Auflösung des Eins in viele Unterschiede.
Ein Spiel also, um die Langeweile
des Seins zu vertreiben,
den Schrei der Einsamkeit zu
durchbrechen, Zufriedenheit
in Scheinbarkeit. –

Donnerstag, 28. Juli 2011

1996 - II

Die Zeit ist der Stoff,
aus dem wir gemacht sind,
das Vergessen unser Rausch.

Mittwoch, 27. Juli 2011

1996 - I

Der einsame Wanderer trifft unterwegs auf einen jungen Mann. Er will rasten, setzt  sich und der Junge gesellt sich zu ihm. Wie war Dein Weg bisher? fragt voll Interesse
der Junge den Alten. Interessant, sagt der Alte, ich habe viel gesehen, aber eigentlich auch nichts und jetzt fehlt mir der Trieb zum Weitergehen, ich möchte schlafen und bin müde. Wenn es interessant war, versäumst Du dann nichts im Schlaf? Nein, sagt der Alte: ich sah viel Neues, aber es war immer das Gleiche: Fragen, Antworten der Menschen, Verhalten. Die, die nicht gleich sind, z.B. Kranke, Irre, Betrunkene, sind nicht sie selbst. Sie durchschauen vielleicht für einen Moment die Welt, aber Du kannst nicht mit Ihnen reden.
Der Junge grübelte unzufrieden. Diese Aussichten gefielen ihm nicht. Wahrscheinlich setzte der Alte so einen Gleichmut auf, der auf alle auch so wirkte und das schon beim ersten Anblick.
Darauf der Alte in Erregung: Als junger Mann glaubte ich mich attraktiv und schlau, mächtig und stark, phantasievoll und kühn. Voll Unternehmungsgeist wollte ich alles, aber ich fand weder Frau noch Brot auf Dauer. Alle sagten nur: Du bist ein Wanderer, Du brauchst uns nicht. Bleib’ ein bisschen hier und sieh’, wie wir uns amüsieren, doch dann geh’ weiter. Es scholl nur so aus den schönen Mündern der Fräulein und den mächtigen Unanschaulichen, bis ich gelähmt war und nichts gegen den Zustand tun konnte, als zu wandern. Ja, ich glaubte alles und entwickelte Spaß daran und bald hörte ich ihn nicht mehr, den ätzenden Spott. In meinen Ohren entwickelte sich ein eigener Klang und meine Welt wurde harmonisch. Doch allmählich wird der Gang beschwerlich.
Der Junge war nachdenklich geworden. Sollte es das Ende auch seiner Geschichte werden? Der Alte bot ihm nun an, mit ihm zu trinken. So saßen sie, an einen starken Baum gelehnt nebeneinander inmitten des Vogelgesangs und des Insektengebrummes und dem Rauschen der Blätter. Ab und zu ein nervöses Reh..
Sie rauchten, schwiegen und genossen gemeinsam. Das leben ist ein klarer Schluck Nichts, sagte der Alte schließlich, trank etwas und murmelte: der schmeckt verdammt gut. Er wankte von dannen und der Junge freute sich auf die nächste Wanderung. –